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Prättigauer Höhenweg

15.09.2026

Auf der sonnigen Graubündner Seite, immer am eindrucksvollen Rätikonkamm entlang, in vier wunderschönen Tagen knapp 2.900 Hm rauf, 2.800 Hm runter und gute 55 km gelaufen.

1. Tag:
Grausam frühes Aufstehen, weil Abfahrt um 5.30 Uhr an unserem AV-Heim. Eine süße Überraschung bescherte uns Ritschi, der uns in dieser Herrgottsfrüh einen frischen, duftenden Käsekuchen samt seiner Christine ablieferte. Ähnlich wie letztes Jahr im Vinschgau, ... das kann also Tradition werden.

Nach einer komplikationslosen Fahrt, mit wunderschönem Sonnenaufgang und gelungenem Geldwechselstopp im Bündner Maienfeld, kamen wir bei der alten Älplibahn in Malans an. Mit ihrer Hilfe konnten wir uns gut 1.000 Hm sparen.

Das Besondere an ihr: sie wird von Freiwilligenteams am Laufen gehalten und ebenso freiwillig schulterten wir nun unsere schweren Rucksäcke, um 4 Tage am Rätikonkamm entlang zu wandern.

Es war warm bis heiß an diesem ersten Tag. Auf einfachen Berg- und Almwegen ging`s im Auf und Ab zum Fläscher Tal, an einem ausgetrocknetem, kleinen See vorbei und durch zwei dunkle Felstunnel bis zum Iljes Hochleger. Zwei sehr unterschiedliche Kare, eines ganz weiß und eines ganz rot, dicht nebeneinander, fesselten hier unseren Blick.

Ebenso eindrucksvoll war die ständige Aussicht auf die Alpsteinwände und die große Schesaplana.

Eine letzte Rast machten wir auf dem Heubühl, um Kraft für den letzten Abstieg und wieder Aufstieg zur Schesaplanahütte zu tanken. Sie schien noch so weit weg.
Unsere Belohnung: ein super Abendessen auf der noch sonnigen Terrasse ... es gab Pizzoccheri als Hauptgang.

2.Tag:
Bei bedecktem Himmel, aber noch lauer Luft, starteten wir in den neuen Tag. Zwei große, Schweizer Hirtenhunde begrüßten uns nur kurz und schauten nach ihrer Schafherde, die noch beim Frühstücken war. Unser eigenes, zweites Frühstück machten wir am Gafalljoch mit einem fantastischem Blick auf den Lünersee, der auf der österreichischen Seite lag. Seine türkisene Farbe kam bei dem bedecktem Himmel besonders schön zur Geltung.

Unter den Kirchlispitzen ging`s weiter unter`s Schweizer Tor, einem felsigem Einschnitt im Rätikonkamm und Übergang zwischen Österreich und der Schweiz.

Unser Weg führte uns jetzt an den Drusenfluhwänden entlang, gute 4 Kilometer lang und gute 600 Meter hoch sind sie, und wirkten tatsächlich gigantisch.

Ebenso beeindruckend, schob sich die Sulzfluh immer näher kommend, in unser Blickfeld. Geschmückt mit einem Wolkenhäufchen am Gipfel vor dunkler Wolkenkulisse.

Endlich erreichten wir die Carschinahütte am Fuße der Sulzfluh, endlich Lager beziehen, waschen, Handy laden und Abendessen. Und was gab`s? Pizzoccheri! Ein typisches Gericht aus der lombardischen und bündner Alpenregion: Buchweizennudeln mit Kartoffeln, Kohl oder ähnlichem, Käse und Butter. Fein, aber was anderes hätte uns heute auch gefallen.

3. Tag:
Nachts kamen der Regen und eine kleine Kaltfront. Sie bescherten uns aber am Morgen ein wunderschönes Wolkenspiel während wir Richtung Partnunsee wanderten. Immer freier wurden die Wände der Sulzfluh, die für Kletterer viele Klettersteige und Routen bereit hält. Wir stiegen zum Partnunsee ab, der in einem Kessel zwischen Sulzfluh und Scheienfluh liegt, gönnten uns eine Pause und nahmen sogar ein kurzes Bad in seinem grünlich leuchtenem Wasser.

Dann ein entspannter, sonniger Abstieg in die Streusiedlung Partnun. Es reifte der Entschluss, die geplante Route Richtung Riedkopf und St. Antönier Joch, abzukürzen. Weniger Höhenmeter und weniger Strecke bot uns der Weg über den Schollbergmeder, aber mit ebenso schöner Aussicht ins Antöniertal und zurück zur Sulzfluh. Und es blieb mehr Zeit zum "Urlaubmachen" an einer sonnigen Scheunenwand mit Sonnegenießen, Essen und Schlafen. Über Dörfji ging`s weiter ins hintere Gafiatal zu unserer kleinen Bergpension "Edelweiß".

Ein Waschbecken draußen vor der Türe, eine Natur-Badewanne draußen im Bach vor der Hütte ...für uns kein Problem. Die freundliche, bodenständige Wirtin Marianne, machte uns den Aufenthalt sehr angenehm und servierte zum Abendessen ... nein, keine Pizzoccheri ... sondern Schnitzel mit Rahmsoße und Nudeln, welch ein Glück!

4.Tag:
Tiefhängende Wolken hüllten die Berge heute ein und so konnten wir die markanten Felsen der Butzchammeren, wo sich der Geist eines Untoten rumtreiben soll, beim steilen Aufstieg zur Plattenflue nicht gut sehen. In mystischer Nebelstimmung stiegen wir zu einer Hochebene zwischen Rätschenhorn und Madrisahorn. Hier zeigte sich ein umwerfendes, geologisches Schauspiel: das fast weiße Kalkgestein des Rätschenhorns trifft hier auf den viel älteren, sehr dunklen Gneis des Madrisahorns. Wie weiße Schneefelder, die auf dunkle Gesteinschichten fließen. Menschen haben hier schöne, große, geometrische Muster mit weißen Steinen gelegt. 
Von unserem höchsten Punkt der vier Tage, dem Rätschenjoch auf 2.602m, konnten wir all das und auch den Blick weiter in die Schweiz genießen, wenn der Nebel sich lüftete.

Über Obersäss und Untersäss stiegen wir schließlich zur Madrisabahn ab, die uns nach Klosters herunter brachte. Mit Bahn und Bus, und dazwischen einer schönen Kaffeepause in Landquart, ging`s zurück nach Malans zur Älplibahn, wo unser Vereinsbus auf uns und die Heimfahrt wartete.

Es waren vier so besondere, schöne Tage mit euch im Rätikon und ich bin sehr froh und dankbar, dass wir den Prättigauer Höhenweg zusammen gehen konnten.

Franziska