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Sentiero Alpino Bregaglia, Bergtour von Hütte zu Hütte

14.09.2026

Zu sechst starteten wir zur letzten Mehrtagestour dieser Saison mit Team Lumi ins Bergell.

Diese Wanderung wollte Angelika schon lange mit uns gehen, aber leider kam der mächtige Bergsturz vom Piz Cengalo im Jahr 2017 dazwischen. Es dauerte bis letztes Jahr, bis der Weg neu und außerhalb der Gefahrenzone angelegt wurde.

Wir starteten in Bondo, einem hübschen kleinen Ort im Kanton Graubünden kurz hinter dem Malojapass, wo der Inn entspringt. Auf weichen Waldwegen ging es angenehm im Schatten stetig steil nach oben. 4 Hängebrücken haben wir passiert und immer waren gigantische Gipfel, auch die Nordostwand des Piz Badile, vor uns. Alle waren froh, als die 1400 Höhenmeter geschafft waren und wir an der Sciora-Hütte auf 2.118 m ankamen. Im Liegestuhl auf der sonnigen Terrasse war die Anstrengung schnell vergessen und ein leckeres 4 Gang-Menu am Abend füllte die Energiespeicher wieder auf. 

Am zweiten Tag stand die Tour zur Albignahütte über den Pass Cacciabella Süd (2896 m) auf dem Programm. Bei dieser Etappe waren Blockfelder, wegloses Gelände, gesichertes steiles Felsgelände (Eisentritte, Ketten, Leitern) zu überwinden, aber auch ungesicherte Passagen, Schwierigkeit T5! Es ging von Anfang an steil nach oben. Nach dem Pass konnten wir bereits einen Blick hinunter zum Albignastausee werfen. 

Allerdings war auch auf der Rückseite des Passes kein Träumen auf lieblichen Wegen angesagt. Volle Konzentration war notwendig, denn der Weg führte durch karges, hochalpines Gelände, über Granitplatten und durch Blockwerk, teilweise waren wieder Klammern und kettengesicherte Stellen zu überwinden. Der Blick auf die umliegenden Gletscher und die Steilwände war gigantisch. Ab dem See mit seiner 800 m langen Staumauer ging es dann relativ angenehm hoch zur Albigna-Hütte auf 2.333 m, wo wir die zweite Nacht verbrachten. 

Da am dritten Tag eine Kaltfront anrücken sollte, haben wir schon um 6 Uhr gefrühstückt, und um 7 Uhr waren wir startklar. Das nächste Ziel war die Fornohütte (2568 m) über den Pass da Casnil (2941 m). Auf diesem Wegabschnitt erwarteten uns wieder Blockfelder, spärliche Wegspuren, plattiges Gelände und gesicherte Passagen. 

Trittsicherheit und höchste Konzentration waren wieder Voraussetzung (Schwierigkeit T5-). Nachdem wir die Scharte Pass da Casnil Sud erreicht hatten, ging es auf bröseligem, steinigem Weg wieder nach unten. Die Tour war wie an den Vortagen lang und herausfordernd, aber super schön. Wir blickten immer wieder auf die verschwindenden Gletscher und die felsigen Gipfel ringsum. Um 16 Uhr erreichten wir die Hütte und konnten bei Sonnenschein wieder Kaffee und Engadiner Nusstorte genießen. Das schlechte Wetter ließ zum Glück auf sich warten, sogar für eine Yoga-Einheit war noch Zeit. Beim Abendessen war es dann soweit, es blitzte und donnerte, aber wir saßen ja trocken in der schönen Hütte.

Am nächsten Morgen war alles rein gewaschen, die Kaltfront war durchgezogen. Allerdings zog mächtiger Nebel vom Tal hoch und verdeckte zum großen Teil die Wände gegenüber, die wir am Tag zuvor runtergestiegen sind. Wir konnten also trocken starten und sind über den Panoramaweg, einen aussichtsreichen Höhenweg gegangen, der die steile Westflanke der Pizzi dei Rossi durch Geröllhalden und Felsblöcke gen Norden querte. Innerhalb von ein paar Minuten löste sich plötzlich der Nebel auf, Felsen, Gipfel und auch 2 Steinböcke, die gemütlich grasten, waren im Blick. Schließlich kamen wir an ein paar kleinen Seen vorbei und dann war auch schon unser heutiges Ziel Maloja und der Cavloc-See zu sehen. Am See gab es eine kleine Gaststätte, in der wir die Tour ausklingen lassen konnten. Danach war der Weg zum Bus auf einem Forstweg die reinste Erholung nach den „steinigen Tagen“. 

Was für eine grandiose Tour, Team Lumi hat wirklich ein besonderes Händchen für tolle Ziele. Wir waren alle glücklich, so eine hochalpine Gebirgslandschaft mit ihren Gletscher(-resten) und den riesigen Granitspitzen erleben zu dürfen. Trotz dieser traumhaften Kulisse waren kaum Leute unterwegs, sehr erstaunlich. Vielen Dank für die Top-Organisation und die umsichtige Durchführung. Gerade bei einer hochalpinen Tour sind Erfahrung, Wissen und ein guter Blick für die richtigen Entscheidungen besonders wertvoll und gibt einem das gute Gefühl, auch in anspruchsvollem Gelände mit Ruhe und Vertrauen unterwegs zu sein. Wir sind gespannt auf die Touren im nächsten Jahr!
Bettina Dörr