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Kurz vor Hütten-Saisonende: Schneeschuhtouren um die Pforzheimer Hütte, 08.-11.04.2026

08.04.2026

Noch einmal wollten wir die wunderbare Bergwelt des Sellrain im Wintersonnenlicht erleben!

Noch einmal wollten wir die wunderbare Bergwelt des Sellrain im Wintersonnenlicht erleben! Früh morgens starteten wir noch im ziemlich kühlen Schatten von Freihut und den zur Lampsenspitze verlaufenden Graten über vereiste Spuren zur Pforzheimer Hütte im Gleirschtal. Zunächst in mäßiger Steigung geht es das Tal empor, bis schließlich der steile Gipfelhang in der strahlenden Sonne doch einige Schweißtropfen kostet. Früh genug - so hatten es uns die Hüttenwirtinnen empfohlen – erreichten wir die gemütliche Unterkunft (Team Lumi durfte in den Winterraum, mit Nepal-Ofen!) und stärkten uns anschließend auf der Terrasse, bevor wir uns nochmal „auf die Schneeschuhe“ machten. Ein Stück weit zum Hausberg, dem Samerschlag oder  Schartlkopf sollte es gehen. Immer wieder schweiften unsere Blicke in die Runde, beeindruckt von der winterlichen Bergwelt...
Schließlich machte sich der wenige Schlaf und die vorangeschrittene Uhrzeit bemerkbar - wir konnten durch teilweise noch pulvrigen Schnee auf der Nordseite mit großem Vergnügen hinuntersausen und kamen im Sonnenlicht des Spätnachmittags wieder auf der Hütte an.

Den Plan für den 2. Tag hatten wir noch am Abend davor geschmiedet: da das Wetter bis zu Abend halten sollte, entschieden wir uns für die lange Wanderung über die Terrassen des oberen Gleirschtales, unter den drei Sonnenwänden entlang, zunächst sanft ansteigend, später steiler, in Richtung Roßkarscharte. Einige Skitourengruppen waren ebenfalls unterwegs. Etwa 100m unterhalb der Scharte entschieden wir uns aufgrund des LLB (Altschneeproblematik bei großer Steilheit und der stärkeren Belastung durch die Schneeschuhe im Abstieg) für eine Umkehr - davor aber die verdiente „Gipfel“brotzeit! Beim Rückweg - wieder über die schönen Terrassen in leichtem Bergauf und Bergab – machte sich die Wärme dieses sonnigen Tages bemerkbar: der Schnee war ziemlich aufgeweicht und teilweise nass. Deshalb machten wir unter bestimmten Steilhängen auch einen respektvollen Bogen...
Im Nachmittagslicht kehrten wir zufrieden zur Hütte zurück, nicht ohne die eine oder andere Lockerschneelawine, ebenso ausgedehntere Schneebrettlawinen aus sicherer Distanz zur Kenntnis zu nehmen.

Für den 3. Tag war schon während der Nacht eine deutliche Wetterverschlechterung angesagt; doch in der Nacht hatte es aufgeklart, was uns auch einen wunderbaren frühen Morgen bescherte. So machten wir uns noch einmal auf zum Samerschlag, wo uns aber ab der Hälfte Nebel, heftiger Wind sowie Schnee- und Graupelschauer erwischten. Wir kämpften uns noch ein ziemliches Stück durch die sich aufsteilenden Hänge nach oben, beschlossen aber 100 Hm unter dem Gipfel die Umkehr!
Für den Rest des Tages war gemütliches Hüttenleben angesagt: draußen Schneeregen, Regen, Nässe, drinnen ein wenig Schulung und das Ausprobieren des neuen „Group-Shelters Bivy4“ des OEAV, eine sehr überzeugende Anschaffung für unsere Schneeschuhgruppe!

Für den 4. Tag war eigentlich vor dem Abstieg ins Tal die Tour auf die Haidenspitze angesagt.
Aber (mal wieder!) das Tauwetter des letzten Tages und der Nacht hatte die Durchfeuchtung der Schneedecke vorangebracht – außerdem ist der Anstieg südost-exponiert! Also stiegen wir ab und konnten beim Rückblick auf den steilen Hüttenhang das am Morgen wohl spontan abgegangene Schneebrett bewundern (!). Unter tiefblauem Himmel mit wunderhübschen Zirren wanderten wir talabwärts, immer öfter mit den Schneeschuhen im tiefen nassen Schnee versinkend. Dabei durften wir noch den Abgang eine Grundlawine auf der anderen Seite des Tals beobachten.

Alles war gut gegangen! Auf der Rückfahrt kehrten wir im frühlingshaften Murnau noch in der Murnauer Kaffeerösterei ein. Ein schöner Abschluß!

Im Nachhinein erfuhren wir, dass es am Nachmittag dieses Tages zu einem Lawinenunfall gekommen war: Eine Skitourengruppe löste bei der Rückkehr von der Schöntalspitze im Aufstieg zur Hütte ein Schneebrett aus, eine Teilnehmerin wurde 150m mitgerissen, konnte aber unverletzt geborgen werden. Wir hatten morgens noch mit ihr gesprochen...
Das Schneebrett war nordostseitig im steilen Gelände (über 35 Grad) ausgelöst worden. Laut Analyse (im Blog vom Lawinen.report) handelte es sich um die durchfeuchtete Schneedecke, die wieder mal die bekannte Altschneeproblematik in Gang gesetzt hatte!