Nachdem unsere ursprünglich geplante 3-tägige Tour zum Westfalenhaus leider ausfallen musste,
fassten wir zwei Wochen später den spontanen Entschluss, das 2-tägige Schönwetterfenster zu nutzen! Wir bekamen einen Übernachtungsplatz – und so zogen wir von Lüsens los.
Anfangs verhüllten noch Schleierwolken die Sonne, aber im Laufe des Vormittags wurde der Himmel strahlend blau und die Sonne brannte fast unbarmherzig auf uns herunter! Die letzten Steilstücke vor der Hütte waren eine schweißtreibende Angelegenheit, aber schließlich bot uns die Hüttenterrasse die verdiente Pause mit herbeigesehnten Getränken. Am Nachmittag machten wir uns noch auf ins Gelände für einige Übungen wie das Bauen eines T-Ankers (incl. diversen hintersicherten (!) Ausreißversuchen) sowie das Einrichten und Begehen eines Fixseils.
Denn eigentlich waren die Tage im Sellrain dazu gedacht, sowohl die Höhenanpassung als auch das Bewältigen schwieriger Passübergänge für die Bündner Haute Route zu erreichen; dieses Ziel stand für die letzten Märztage auf unserem Programm!
Der für den 2. Tag am Nachmittag länger angekündigte massive Wetterumschwung mit Temperatursturz, heftigen Schneefällen und Sturm sollte sich zwar noch ein wenig verzögern, doch als Vorbote wehte schon in der Nacht ein heftiger Wind mit kräftigen Böen.
So entschieden wir uns am Morgen, nicht Richtung Winnebacher Weißkogel zu starten, sondern den etwas windgeschützteren Anstieg zum Längentaler Weisser Kogel zu wählen. Zwar trafen uns auch hier immer wieder Windböen, aber sie waren vergleichsweise moderat.
Mit dem stetigen Blick auf den Himmel stiegen wir in dieser wunderbaren Winterlandschaft höher - auf knapp 3000m beschlossen wir, „unseren Gipfel“, nahe beim Längentaler Joch, erreicht zu haben. Nach der „Gipfelbrotzeit“ stiegen wir ab, immer noch in der Sonne, aber mit schon dunkleren Wolken im Norden. Unterhalb der Hütte sammelten wir unser deponiertes Gepäck ein und stapften im zunehmend sulzigeren Schnee, teilweise recht mühsam, hinunter Richtung Lüsens. Die letzte halbe Stunde verdüsterte sich der Himmel rasch, die ersten Niederschläge waren weiter unten schon zu erkennen. Aber wir hatten Glück: Erst mit einsetzendem Flockenwirbel fuhren wir los!!! Doch Regen und Schneeregen bei der Heimfahrt konnten uns nichts mehr anhaben...
In der folgenden Nacht und den Tagen danach brachten heftige und äußerst ergiebige Schneefälle und Sturm eine völlige Veränderung der Schnee- und Lawinenlage alpenweit.